„Der Deutsche Presseclub sorgt seit 60 Jahren mit dafür, dass wir eine freie, eine informierte und eine gute Presse haben.“ — Bundespräsident Joachim Gauck am 12.11.2012

Die Geschichte des Deutschen Presseclubs e.V. ist auch ein Stück deutscher Presse-Geschichte. 1952, in der aufregenden Frühzeit der Bundesrepublik, die ihre volle Souveränität noch nicht erlangt hatte, rief die Gründung in Bonn beinahe einen internationalen Pressekrieg hervor. Korrespondenten insbesondere amerikanischer, englischer und Schweizer Blätter fürchteten um den Verlust von Informationsvorteilen, die aus der Besatzungszeit stammten, und sprachen von Diskriminierung. Der Gründungsvorsitzende Dr. Robert Strobel, damals Korrespondent der „Zeit“ und einiger Tageszeitungen, sowie fünf weitere deutsche Korrespondenten und eine Korrespondentin verfolgten das Ziel, einen Treffpunkt für Politik und Presse zu schaffen und sich zugleich neue Informationsquellen zu erschließen. Sie fanden für ihren Plan die Unterstützung von Bundeskanzler Adenauer und seinem Staatssekretär Otto Lenz. Adenauer selbst hielt zur Einweihung des Clubs Anfang 1953 eine aufsehenerregende außenpolitische Rede, was dazu führte, dass die nicht dem Club angehörenden Bonner Korrespondenten die Neugründung als exklusives Sprachrohr der Bundesregierung kritisierten. Doch mit der Zeit konnten die Vorurteile widerlegt werden.

Sehr schnell entwickelte sich der Club, dem bald die Hauptstadt-Journalisten fast aller großer Zeitungen, Agenturen und Sender angehörten, zu einer Bonner politisch-gesellschaftlichen Institution. Bundespräsidenten, Kanzler, Minister, Parlamentarier und viele andere aus Politik, Wirtschaft und Kultur waren und sind Gäste des Deutschen Presseclubs, der in Bonn zunächst in der Koblenzer Straße, später in der Heinrich-Brüning-Straße in seinem Clubhaus tagte.

Ein Jahr nach dem Umzug von Regierung und Parlament bezog der Deutsche Presseclub 2000 sein Büro im neu erbauten Pressehaus am Schiffbauerdamm in Berlin, unmittelbar neben den Räumlichkeiten der Bundespressekonferenz, mit der der Presseclub seit über 50 Jahren freundschaftliche Beziehungen pflegt. Der Verein nahm 2000 auch vereinsrechtlich seinen Sitz in Berlin. Ein eigenes Clubhaus – wie in Bonn – gibt es in Berlin nicht: Die Hintergrundgespräche finden in der Regel im Bankettsaal des Hotel Albrechtshof statt.

„Unter drei“, also die Vertraulichkeit, war und ist die Existenzgrundlage des Deutschen Presseclubs e.V. Die regelmäßigen Hintergrundgespräche sollen keine Pressekonferenzen sein, sondern Gästen und Mitgliedern die Gelegenheit bieten, sich im intimeren Rahmen zu unterhalten. Dieses Prinzip sichert die Ergiebigkeit und den besonderen Charakter der Gespräche im Deutschen Presseclub.

Zu Recht wies Bundespräsident Joachim Gauck aus Anlass des 60jährigen Bestehens des Deutschen Presseclubs am 12. November 2012 auf die besondere Bedeutung dieser Regeln hin:

„Nur scheinbar besteht ein Widerspruch zwischen der Vertraulichkeit im Hintergrund und der Transparenz, die die Bürgerinnen und Bürger erwarten dürfen. Ich glaube im Gegenteil, dass es auch der Vertraulichkeit im Hintergrundgespräch bedarf, um mehr Transparenz in politische Abläufe und Entscheidungswege zu bringen. Gerade weil Ihre Gesprächspartner wissen, dass nicht jeder Satz am kommenden Tag die Morgennachrichten eröffnet, sprechen sie mit Ihnen offen und ernsthaft über Politik und deren Hintergründe. Sie wiederum brauchen diese Offenheit, um den politischen Prozess kundig begleiten zu können. Sie brauchen diese Offenheit, um ihn gegebenenfalls auch kritisch kommentieren zu können. Sie erkennen leichter, wem Sie vertrauen können, wem die Öffentlichkeit etwas zutrauen darf. Die Politik braucht derartige Begegnungen ebenfalls, um ihr Handeln besser erklären zu können. Und das wiederum wollen mündige Staatsbürger bekommen: eine Erklärung für Politik und ihre Auswirkungen. Denn ohne dass Politik erklärt wird, schwindet über kurz oder lang die Akzeptanz für Politik, für Politiker und letztlich schwindet die Akzeptanz für unsere Demokratie.“

66 Jahre Presseclub, das sind auch 66 Jahre offene und vertrauensvolle Gespräche zwischen Politikern und Journalisten. Allein in Berlin haben wir inzwischen rund 450 Hintergrundgespräche geführt. Die Zeitschrift „Politik und Kommunikation“ hat den Deutschen Presseclub einmal die „Mutter aller Hintergrundkreise“ genannt. Und das war durchaus freundlich gemeint.

Durch Veranstaltungen wie die Impressionale, durch die vom Presseclub organisierten Sommerkonzerte und durch seine Jahresempfänge setzte der Verein auch kulturelle Akzente. Einmal im Jahr, in der Regel im Herbst, wurden die Mitglieder, Förderer und Ansprechpartner des Presseclubs sowie ihre Begleitung zu einem festlichen Abend eingeladen, der als Mischung aus kulturellem und gesellschaftlichem Ereignis oft der Förderung des künstlerischen Nachwuchses diente.


Literatur zur Geschichte des Deutschen Presseclubs:
Heinz Murmann: Mit „C“ ist es feiner. Der Deutsche Presseclub Bonn von 1952 bis heute. Bouvier-Verlag Bonn 1997 (ISBN 3-416-02713-2)